Homöopathische Behandlung von Darm- und Durchfallerkrankungen beim erwachsenen Hund und Welpen

Silvia Roppelt

 

Grundsätzliches

Wenn ernsthafte Magen-Darm-Krankheiten oder Probleme auftreten, ist es sinnvoll, den Darm zu allererst vollständig zu entleeren. Damit beugt man einer Schleimhautreizung vor. Der erwachsene Hunde muss 24 Stunden fasten, erhält jedoch mehr Flüssigkeit (eventuell mit der Spritze). Optimal wäre es, dieses Wasser mit Elektrolyt-Pulver zu vermischen (z. Bsp. Elotrans Pulver, Fa. Stada). Anschließend muss der Darm wieder an feste Nahrung gewöhnt werden. Dazu ist es notwendig ungefähr 3 oder 4 Tage lang öfters kleinere Mengen einer ballaststoffarmen und hochverdaulichen Diät zu füttern. Dazu eignet sich Haferschleim mit Hüttenkäse und Rinderhack, gekochtes Huhn oder Fisch. Dies eignet sich auch für Welpen, jedoch sollte man die Welpen vorher möglichst nicht solange fasten lassen. Bei Welpen muss man zudem extrem auf den Wasserhaushalt achten, und notfalls beim Tierarzt Infusionen verabreichen lassen.

 

Dosierungsangaben

Sofern nicht anders angegeben, werden im akuten Falle von den Mitteln mit den Potenzen D6 bis D12 mindestens 3x täglich (3-10 Globuli oder 1-2 Tabletten) verabreicht. Die Potenz C30 verabreicht man einmalig und wartet die Reaktion ab. C200 wird auch als Einzelgabe verwendet; und auch hier muss die Reaktion (Erstverschlimmerung) abgewartet werden, evtl. kann man nach längerer Zeit die Gabe wiederholen oder ein anderes Mittel wählen.

 

Folgende homöopathische Mittel stehen zur Therapie verschiedenster Erkrankungen des Darmes zur Verfügung. Man sieht anhand der Vielfalt der Mittel wie individuell die Homöopathie angewandt werden muss und wird. Daher sollten die notwendigen Mittel anhand der beschriebenen Symptome sorgfältig ausgewählt werden. Sinnvolle Kombinationen mehrere bzw. verschiedener Mittel sind möglich!

 

Verstopfung wird oft durch mangelnde Bewegung und/oder einseitige Fütterung verursacht. Jedoch sollte man unbedingt abklären, ob nicht andere Ursachen zum Tragen kommen, wie z. Bsp. Prostatavergrößerung, Darmbruch oder Geschwülste bzw. Tumoren im Darmbereich.

In leichten Fällen der akuten Verstopfung hilft Nux Vomica D6 mindestens stündlich in Kombination mit 2stündlichem Einflössen von Rizinusöl. Man soll dabei beachten, dass der Hund mehr Rizinusöl als der Mensch braucht. Dieses Mittel wird auch angewandt, wenn eine Verstopfung aufgrund zu vielen Medikamenten vorliegt oder beim Krampf der Afterschließmuskeln mit heftigem, vergeblichen Drang.

Chronische Verstopfung von älteren Hunden, die sich vergeblich anstrengen, verlangt Alumina D8. Scheint der Darm wie gelähmt, sollte Opium D6 helfen. Liegen Sekretionsstörungen vor, das heißt, die Schleimhäute sind zu trocken, der Hund hat großen Durst, der Kot wird in riesigen Brocken, hart und trocken unter extremster Anstrengung kaum abgesetzt, wählt man Bryonia D4 oder D6. Hat der Hund an einem Tag Verstopfung, am nächsten Tag wieder Durchfall im Wechsel, greift der Homöopath zu Pulsatilla D6 bis D12. Verstopfung und Durchfall in ein und demselben Stuhl jedoch reguliert man mit Sulfur D6.

Da die Verstopfung eine Darmschwäche voraussetzt, sollte man eine dreiwöchige Kur zur Tonisierung des Verdauungstraktes durchführen. Dazu bedarf es dreimal täglich je eine Gabe von Nux Vomica D6, Carbo vegetabilis D6 und Okoubaka D2

 

Darmparasiten

Die homöopathische Entwurmung besteht aus drei Mitteln. Allen voran bekommt der Hund eine Gabe Cina C200. Vom zweiten bis zum achten Tag erhält der Hund 3x täglich Abrotanum D3, am neunten Tag schließt man die Behandlung ab mit einer einmaligen Gabe von Calcium Carbonicum C200. Allerdings ist diese Therapie bei Welpen nicht wirksam, da die Austreibungsdauer von 7 Tagen zu lange dauert, wenn man bedenkt, dass die Würmer bei Welpen schneller wachsen. Wenn man Calcium Carbonicum C200 wöchentlich verabreicht, kann dies vor Spulwurmbefall schützen (mindestens 4 Wochen nach der letzten Gabe).

Liegt Spulwurmbefall vor, kann man alternativ zu Abrotanum auch Cuprum oxydatum nigrum D4 verabreichen. Hakenwurmbefall, im fortgeführten Stadium geht einher mit Blutarmut, Kurzatmigkeit und unter Umständen Vergrößerung des Herzens. Hier empfiehlt sich eine vierwöchige Therapie mit Carduus marianus D3 3x täglich. Danach sollte der Kot untersucht werden. Die Therapie wirkt in 70% aller Fälle (laut Wolff).

Auch gegen Bandwurmbefall (prophylaktisch!) wirkt zu 90% oben erwähntes Calc carb C200. In den restlichen Fällen verwendet man analog Natrium muriaticum C200. Liegt jedoch bereits ein Befall vor, kommt man um das chemische Bandwurmmittel (wie Drontal plus) nicht herum. Anschließende Gaben von Calc carb C200 stärken jedoch die körpereigene Abwehr gegen Bandwürmer. Außerdem ist es hilfreich in dieser Zeit Vitamin-A-haltige Nahrungsmittel bei zu füttern (Eidotter, Milch, Fisch, Lebetran, Mohrrüben).

 

Oft kommt es vor, dass nach der chemischen Entwurmung (auch mit Banminth oder Fenbendazol) die Immunabwehr geschwächt ist. Dem wirkt man entgegen mit Echinacea C30 für mehrere Tage 1x täglich oder – falls eine akute Erkrankung auftritt – Echinacea D1 bis D6 stündlich bis zur Besserung.

 

Die Giftstoff-Ablagerungen durch die Entwurmung im Körper treibt man mit Sulfur C200 oder Sulfur C1000 einige Tage nach der chemischen Entwurmung aus. + Algenpräparat – Sulfur bringt den Körper zwar zur Reaktion aber der Abtransport der Giftstoffeinlagerungen dauert dann erheblich länger.

 

Darmkatarrh   Nux vomica C 30 ist das wichtigste Durchfallmittel

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, sollte man Hunde in guter Verfassung zunächst einmal fasten lassen, wenn sie von einem Darmkatarrh betroffen sind. Bei Tieren in weniger guter Verfassung beginnt man sofort mit einer Diät, bestehend aus Schleimsuppen, sowie als Getränk schwacher schwarzer Tee oder auch Kamillen, Fenchel und Pfefferminze (evtl. mit eingeweichtem Zwieback). Es gilt: kein Fett, keine Milch, kein Zucker, kein Gemüse, keine Knochen! Bessert sich der Zustand kann man den Verdauungstrakt wieder an festere Nahrung gewöhnen, dazu nimmt man Rinderhack, Fleischbrühe ohne Fett, Ei und Kochfisch. Den Durchfall selbst – das Hauptsymptom des Darmkatarrhs bekämpfen wir je nach Konsistenz mit folgenden Mitteln:

Pulsatilla D4 – D6: schleimiger Durchfall verschiedenen Aussehens, oft Ursache ist die Unverträglichkeit von zu fettem Futter oder Obst.

Podophyllum D4 Hydranten-Stuhl, besonders morgens und gleich nach dem Füttern. Meist wässrig, schmerzlos und stinkt aashaft.

Mercurius solubilis D6 Stuhl mit Blutbeimischung, Farbe weiß oder gelblich, dabei heftiges Drängen beim Absetzen

Sulfur D6 nur frühmorgens Durchfall oder wenn Durchfall und Verstopfung in einem Stuhl auftreten.

Arsenicum album D6 Durchfall mit rascher Abmagerung und Erschöpfung, häufig, aber kleine Mengen, stinkt faulig und aashaft und kann mit Blut vermischt sein. Obwohl der Hund häufig trinkt, nimmt er nur kleine Mengen, erbricht diese aber wieder. Trockene, rote Zunge, Verbesserung durch Wärme und Verschlechterung nach Mitternacht. Außerdem wird dieses Mittel auch bei Vergiftungen durch verdorbene Nahrungsmittel verwendet. Ebenfalls ist dies ein gutes Mittel nach Eis und zu kaltem Trinken (auch Schneefressen!).

Antimonium crudum D4 bei chronischem Darmkatarrh, bei dem Durchfall mit Verstopfung wechselt

Mercurius sublimatus corrosivus D12

Aethiops antimonialis D4 beide Mittel wenn der Kot mit Schleim überzogen ist

Graphites D6 bei Konstitutionstypen (übergewichtig, bewegungsunlustig, immer hungrig) die unter Durchfall und dann tagelanger Verstopfung leiden.

Camphora D6 Tier ist extrem kraftlos, kalter Hundekörper, schwärzlicher Stuhl wird unkontrolliert abgesetzt, kolikartige Krämpfe

Cuprum metallicum C30 grünlicher Durchfall, der mit Blut durchsetzt ist, Muskelkrämpfe und starke Nervosität.

Aloe C30 akuter Katarrh mit wässrigem, gallertartigen, blutig-schleimigen Stuhl, Entleerung im Strahl, zudem übelriechend, Verschlimmerung durch Wärme.

Aethusa C30 Brechdurchfall mit starker Entkräftung, nach dem Erbrechen sofort wieder hungrig, Milchunverträglichkeit

Cocculus C30 Durchfall durch Nervosität oder Reisekrankheit, auch in Verbindung mit Erbrechen.  Hier auch an Tabaccum C 30 denken bzw. beide zusammen verabreichen wenn man sich nicht sicher ist.

Ipecacuanha D6 Ständige Übelkeit mit Erbrechen, selbst bei leerem Magen; einhergehend mit schaumigem wässrigen Durchfall.

 

Den Flüssigkeitsverlust, welcher durch die Durchfälle verursacht wird, kompensiert man mit China C30 . Bewährt hat sich bei bakteriellen schwächenden Durchfällen die Kombination von China C30 mit Arsenicum album D6. Chronischen Durchfall unterstützt man übrigens mit Sulfur D30 2x täglich über mindestens drei Wochen.

 

 

Seuchenhafter Brechdurchfall

Nachfolgende Therapie hat sich auch bei Parvovirus-Infektion bewährt. Jedoch kann man jeden Brechdurchfall so behandeln. Die Parvovirus-Infektion setzt plötzlich mit heftigem Erbrechen ein und gleichzeitigem oder bald folgendem wässrigen Durchfall, der im Strahl abgesetzt wird. Dieser kann auch blutig sein.

Man gibt folgende Mittel als Dilution (Verdünnung) zu gleichen Teilen oder mischt mit jeweils 3-10 Globuli und Wasser eine Lösung selbst (aber täglich frisch!).

Ipecacuanha D6 wegen Erbrechen und Durchfall

Veratrum album D3 als Kreisaufstütze

Echinacea D1 zur Stärkung der Immunabwehr und weil die Zahl der weißen Blutkörperchen rapide abnimmt.

Dieses Gemisch gibt man anfangs viertel- bis halbstündlich direkt auf die Zunge oder Schleimhäute der Mundhöhle, dann stündlich, mit zunehmender Besserung seltener. Nach Abklingen der Krankheit benötigt man das Stärkungsmittel (wegen des Flüssigkeitverlustes!) China D30 als einmalige Gabe. Sollte mindestens für eine Woche gegeben werden.

Gerade bei dieser Erkrankung ist die Diät wichtig, ebenso wie die Zuführung von einer Elektrolyt-Glucose-Mischung.

Auch Perenterol forte hat sich bewährt, da durch die speziellen Hefenpilze die Giftstoffe im Darm binden lassen.

 

Sollte sich der Zustand bei allen Darmerkrankungen nicht bald verbessern, sollte man besonders bei heftig akuten Erkrankungen unbedingt einen Tierarzt aufsuchen!

 

 

Literaturquellen:

Homöopathisches Repetitorium (DHU)

Unsere Hunde gesund durch Homöopathie (Hans G. Wolff)

Handbuch der homöopathischen Materia Medica (Boericke)